Dubai Infos

Mit der Dämmerung geht die Hitze etwas zurück, nicht aber die hohe Luftfeuchtigkeit. Gemächlich schieben sich die Dhows, die traditionellen Schiffe aus Holz, ihrem Dock entgegen. Die meisten haben Waren nach Iran gebracht, andere nach Basra. Zwischen ihnen tuckern auf dem Creek, der sich als Meeresarm in die Wüste schlängelt, flache Fähren. Jede mit 20 Passagieren, die Überfahrt kostet 10 Cent.

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Schon werden die Dhows mit Hebekränen neu beladen – mit Reifen und Kühlschränken, mit Chemikalien in blauen Kanistern und mit Tee in erdfarbenen Jutesäcken. Die Produkte kommen aus China oder Frankreich, aus Iran oder dem Landesinnern.

Immer war Dubai ein Umschlagplatz für Waren. Auf der einen Seite des Creeks ist etwas idyllische Vergangenheit erhalten geblieben. Mit alten Lehmhäusern und Windtürmen, die Kühle spenden.

Das Geschäft wird heute aber auf der anderen Seite gemacht. In den kühnen Bauten aus glitzerndem Glas und hartem Stahl. Die Zahl der Glaspaläste wächst so schnell, daß das Viertel um den Creek für sie zu klein geworden. Längst ankern auch die großen Schiffe in den modernen Häfen draußen an der Meeresküste. Längst: Das heißt in Dubai einige Jahrzehnte.

Bis zur Unabhängigkeit 1971 war Dubai ein staubiger Platz mit einigen Lehmhäusern. Heute steigen über den Dhows des Creeks und den Palästen des Kapitalismus im Minutentakt Flugzeuge vom nahe gelegenen Flughafen in den Himmel auf. 16 Millionen Passagiere kann er bereits abfertigen, und trotzdem gilt er schon wieder als zu klein und wird erweitert.

Eine Erfolgsgeschichte der Moderne

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Dubai ist eine der großen Erfolgsgeschichten der Moderne, und sie zieht immer mehr Menschen aus aller Welt an. Viele große Unternehmen ver- legen ihren regionalen Sitz nach Dubai, um von hier den Nahen Osten, Afrika und den indischen Subkontinent zu bearbeiten. 1,5 Millionen Einwohner zählt Dubai bereits, 90 Prozent von ihnen sind Ausländer, wie der Libanese Giscard Daniel, der im Großprojekt „Dubailand“ das Marketing betreibt. Als er zwei Jahre alt war, flohen seine Eltern vor dem Bürgerkrieg im Libanon nach Dubai. „Heute ist das hier meine Heimat“, sagt er.

In Dubai wohnen auch tausend Deutsche. Ihr „Business Council“ trifft sich regelmäßig, einen großen Zusammenhalt gibt es in der deutschen Gemeinde aber nicht. Die einen beklagen das und auch, daß viele Entsandte ihre Kinder auf internationale Schulen schicken und nicht auf die Deutsche Schule. Die soll noch in diesem Jahr vom benachbarten Emirat Sharjah nach Dubai umziehen. Zum Abitur führt sie nicht. Die Kritisierten wollen sich aber gar nicht in ein deutsches Gemeindeleben einbinden lassen. Denn vom Angebot Dubais wollen sie soviel wie möglich mitnehmen.

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Dubai ist ein Gemisch der Völker und ein Modell der Toleranz. Freundlichkeit und Höflichkeit bestimmen den Alltag, aber auch die Oberflächlichkeit jener, deren Leben sich in „Business“ und „Shopping“ erschöpft. Meist haben auch die Entsandten eine Sechstagewoche, fünfeinhalb Tage müssen sie immer arbeiten. Die Wochenenden liegen, wie in muslimischen Ländern üblich, am Donnerstag und Freitag. Nur die Einzelhandels- geschäfte öffnen am Freitag spätestens nachmittags von 17 Uhr an. Die Tagesarbeitszeiten werden durch eine lange Mittagspause von 14 bis 17 Uhr unter- brochen, abends wird bis 20 Uhr gearbeitet.

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Anstößiges wird herausgeschnitten

Dubai ist eine Stadt der Arbeit, aber auch eine Stadt des Vergnügens. Nur eben eines anderen Vergnügens als in einer mitteleuropäischen Stadt. Viele Diskotheken gibt es zwar bereits, und ein Opernhaus ist in Planung. Jeder empfängt zu Hause über die Satellitenschüssel die Fernsehprogramme der Welt. Wenn die Tagesschau gesendet wird, ist es in Dubai bereits 22 Uhr. Auch zeigen viele Kinos, vor allem in den Einkaufszentren, die aktuellen Filme in Originalsprache. Nur die Szenen, die in der islamischen Welt als anstößig gelten, sind herausgeschnitten.

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Viele nutzen die ausgezeichneten Sportmöglichkeiten Dubais. Meist muß man dazu Mitglied in einem Sportclub werden, etwa bei „Jumeirah Beach“ oder in einem Hotel. Ganz oben stehen Schwimmen, Segeln, Golf.

Das abendliche gesellschaftliche Leben beschränkt sich meist auf Einladungen, sei es der Generalkonsulate oder der Unternehmen. Eingeladen wird in eines der größeren Hotels oder in die Villa des Einladenden, etwa anläßlich des Nationalfeiertags oder des Besuchs einer wichtigen Persönlichkeit aus der Heimat.

Im vergangenen Jahr haben 280000 deutsche Urlauber Dubai besucht. Und jedes Jahr kommen mehr. Nicht nur ist Dubai ist eine außergewöhnlich saubere und gepflegte Stadt. Die Urlauber kommen auch, weil in dieser Stadt des Handels und der Dienstleistungen Nepp nicht bekannt ist. „Man bekommt etwas für sein Geld“, sagt Franz Reichwein, der Delegierte der Bundesagentur für Außenhandel.

Ausgesprochen gut sei das Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Taxis sind ein Beispiel. Der Grundtarif beginnt bei 70 Cent, die Wagen sind ausnahmslos aus der oberen Mittelklasse, mit einem Taxometer aus- gestattet und sauber wie an wenigen anderen Orten der Welt.

Entsandte wohnen großzügig.

Anders als in vielen Wirtschaftszentren woh- nen ausländische Entsandte nicht abgeschirmt von den Einheimischen in geschlossenen Wohnsiedlungen. In Dubai sind die Ausländer schließlich nahezu unter sich. Alle Entsandten wohnen großzügig, in vielen Monaten des Jahres kann man sich nur in den luftgekühlten eigenen vier Wänden aufhalten. Die obere Mittelklasse zieht in der Regel einen Bungalow in den Stadtvierteln entlang der Küste vor. Andere wollen in einer Luxuswohnung eines vornehmen Apartmenthauses wohnen. Nahezu immer ist der Swimming-pool dabei. Als Jahresmiete für eine Wohnung muß man 100000 Dirham, also 27500 Dollar und mehr, für eine Dreizimmerwohnung ansetzen.

Neue besonders vornehme Wohngegenden entstehen, etwa die „Jumeirah Islands“, wo Wasser in die Wüste geleitet wird und für die Villen Inseln entstehen, oder die „Emirates Hills“, wo Ausländer erstmals Boden erwerben können, ab 250000 Euro für eine Villa.

Schwierig ist es, Freundschaften mit den Staatsbürgern der Emirate zu schließen. Denn die meisten westlichen Entsandten bleiben nur zwei bis drei Jahre. Erst danach faßt man aber in der Regel Fuß und lernt Einheimische kennen. Wenn man Glück hat, dringt man in den Madschlis vor, das Treffen, zu dem einflußreiche Araber einmal in der Woche zu sich nach Hause einladen. Dort legen sie das lange weiße Gewand, die Dischdascha (oder Kandorra), an. Draußen auf der Promenade entlang des Creeks sind die Ausländer abends aber unter sich. Die von Palmen gesäumte Promenade belebt sich, je mehr die Temperaturen nachgeben. Einige Verrückte treiben mit Joggen noch mehr Schweiß aus ihren Poren. Der Rauch der Nargile, der Wasserpfeife, liegt in der Luft. Und in den Seitenstraßen hängen die Düfte des Orients – von Gewürzen, von Weihrauch und Myrrhe.

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